GichtInfo.de ist unabhängig, werbefrei und ohne finanzielle Interessen.

Adenuric (Wirkstoff Febuxostat)

/Adenuric (Wirkstoff Febuxostat)
Adenuric (Wirkstoff Febuxostat) 2017-05-01T11:47:14+00:00

Allopurinol ist und bleibt (zumindest vorerst) die erste Wahl bei den harnsäuresenkenden Medikamenten. Jetzt steht jedoch mit Adenuric (Wirkstoff Febuxostat) eine Alternative zu Allopurinol zur Verfügung. Über einen ähnlichen Wirkmechanismus wie Allopurinol reduziert Adenuric die Harnsäurebildung wirksam.

Adenuric ist erst seit März 2010 auf dem Markt. Wie Allopurinol greift sein Wirkstoff Febuxostat in den Abbauprozess von Purin zu Harnsäure ein, indem er ein Enzym hemmt, das den Prozess steuert. Statt Harnsäure werden ihre Vorstufen (Hypoxanthin und Xanthin) verstärkt ausgeschieden. Febuxostat wird über die Leber abgebaut (Allopurinol über die Nieren), so dass es auch bei Patienten mit Nierenleiden zum Einsatz kommen kann. Weiterhin ist Adenuric hautfreundlicher als Allopurinol und verursacht weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Allerdings kam es auch zu mehr unerwünschten Nebenwirkungen auf das Herz- / Gefäßsystem.

Trotz der dem Allopurinol ähnlichen Wirkungsweise und teilweise ähnlicher Nebenwirkungen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Patienten die Allopurinol nicht vertragen Febuxostat trotzdem vertragen (und umgekehrt).

Zum Video

Tipp:

Hier geht es zum Video: Medikamentöse Behandlung der Gicht.
Zum Video

Die harnsäuresenkende Wirkung von Adenuric ist stärker als die von Allopurinol. D. h. eine 80 mg Tablette Febuxostat senkt den Harnsäurewert stärker als 300 mg Allopurinol. In den meisten Fällen sollte daher eine 80 mg Tablette pro Tag ausreichen.

Info:

Die Kosten für Adenuric sind etwa um den Faktor sieben höher als bei einer Behandlung mit Allopurinol. Es gibt keine Nachahmerpräparate. Daher akzeptieren die gesetzlichen Krankenkassen die Verschreibung von Adenuric in der Regel nur in Ausnahmefällen (z. B. bei einer erheblichen Unverträglichkeit von Allopurinol). Die privaten Kassen erstatten die Kosten von Adenuric meist problemlos.

Gicht erfolgreich mit Adenuric behandeln

Bei Adenuric gelten hinsichtlich einer erfolgreichen und dauerhaften Senkung des Harnsäurewerts die gleichen Spielregeln wie bei Allopurinol. Die wichtigste: Man muss es auch nehmen! Hört sich selbstverständlich an, ist es in der Praxis aber nicht. Einige Gründe für die “schlechte Compliance” (ärztedeutsch für mangelnde Mitwirkungsbereitschaft des Patienten) sind:

  1. Es kann bis zu sechs Monate dauern, bis das Febuxostat alle Harnsäureablagerungen im Körper aufgelöst hat. In dieser Zeit ist verstärkt mit Gichtanfällen zu rechnen. Der Patient sollte vom Arzt hierüber aufgeklärt werden und geeignete Medikamente (insbesondere NSAR) zur Hand haben. Die Gefahr von Gichtanfällen in dieser Phase ist noch höher als bei Allopurinol. Viele Patienten setzen Adenuric schnell wieder ab, weil sich ihre Beschwerden verschlechtern.
  2. Bei den meisten Personen tritt nach einigen Monaten Beschwerdefreiheit ein. Dies führt leicht zu einer Medikamentenmüdigkeit (“mir geht´s doch gut!”), so dass die Einnahme mit zu geringer Dosis (oder gar nicht) fortgesetzt wird.
  3. Lebenslang Tabletten? Viele Gichtkranke haben mehr Angst vor den Nebenwirkungen von Adenuric als vor der Gicht selbst. Daher setzen sie Adenuric wieder ab.

Empfehlungen für eine erfolgreiche Behandlung mit Adenuric

  • Keine Angst vor Adenuric. Die meisten Menschen vertragen es problemlos. Es ist außerdem auf jeden Fall besser als die Folgen der Gicht.
  • Die Einnahme von Febuxostat kann auch bei einem akuten Gichtanfall begonnen werden. Die Regel, dass der Gichtanfall vor der Einnahme von harnsäuresenkenden Medikamenten abgeklungen sein muss, gilt nicht mehr.
  • Unterbrechen Sie die Einnahme auch beim Auftreten neuer Gichtanfälle nicht mehr. Dies würde zu Schwankungen des Harnsäurewerts führen, die wiederum weitere Gichtanfälle auslösen könnten.
  • Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente (NSAR, Cortison, Colchicin) verschreiben, die zur Vorbeugung von Gichtanfällen in niedriger Dosierung über einige Wochen oder Monate genommen werden. Alternativ lassen Sie sich vor Behandlungsbeginn vom Arzt ein NSAR verschreiben, das Sie rechtzeitig bei Beginn eines Gichtanfalles einnehmen.
  • Den Harnsäurewert öfters kontrollieren lassen. In der Regel sollten 80 mg Febuxostat pro Tag reichen.
  • Die Einnahme von Adenuric nicht beenden, wenn es Ihnen wieder besser geht.
  • Auch bei Beschwerdefreiheit den Harnsäurewert mindestens alle sechs Monate kontrollieren lassen. Ggf. nach Vorgabe des Arztes die Dosis anpassen.
  • Sicherheitshalber regelmäßig die Leberwerte überprüfen lassen.
  • Wenn Sie Adenuric abgesetzt haben oder nicht mehr nehmen möchten: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. (Er kann Sie nicht zwingen es weiter zu nehmen, er sollte aber Bescheid wissen.)

Einnahme von Adenuric (Febuxostat)

Dauer der Einnahme

  • Langzeittherapie. Oft ist lebenslange Einnahme erforderlich.

Tagesdosis

  • 80 bis 120 mg Febuxostat
  • Behandlungsbeginn mit 80 mg
  • Der Arzt entscheidet auf Grund der Laborwerte ggf. über eine Erhöhung von 80 auf 120 mg.
  • In Deutschland stehen nur die Dosierungen 80 mg und 120 mg zur Verfügung. Die Tabletten lassen sich jedoch mittels Tablettenteiler teilen, so dass auch andere Dosierungen erzielt werden können (z. B. zum Einschleichen beim Behandlungsbeginn).

Mögliche häufige Nebenwirkungen

  • Risiko von seltenen aber schweren Nebenwirkungen insbesondere im ersten Monat der Einnahme und bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Allopurinol und / oder einer Nierenerkrankung.

Wichtig:

Kann bei Therapiebeginn Gichtanfälle auslösen!
  • Leberfunktionsstörungen bei etwa 3,5 Prozent der Anwender.
  • Durchfall, Übelkeit, Hautprobleme, Kopfschmerzen.
  • Insgesamt ist die Verträglichkeit von Febuxostat nicht schlechter als die von Allopurinol.

Wirksamkeit

Verfügbarkeit

Handelspräparate

Alternativen zu Adenuric

  • Allopurinol. Es ist preiswerter und wirkt meist ausreichend gut.

Mit einem Freund teilen