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Behandlung des akuten Gichtanfalls

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Behandlung des akuten Gichtanfalls 2017-06-10T10:22:18+00:00

Bei der Behandlung des akuten Gichtanfalls geht es nicht ohne Medikamente. Und ausreichend wirksame Medikamente gibt es nur vom Arzt auf Rezept. Daher ist der Arzt der richtige Ansprechpartner für die Verschreibung der richtigen Medikamente beim akuten Gichtanfall wie auch für die Beratung zum Vorgehen beim nächsten Gichtanfall (z. B. schnelle Selbstmedikation nach Vorgabe des Arztes).

Nicht unrelevant für die Therapieentscheidung des Arztes ist das Gespräch mit dem Patient. Nicht immer weiß der Arzt von sich aus, wie stark die Schmerzen tatsächlich sind. Auch muss der Patient seine “Wünsche” (wie zum Beispiel schnellstmögliche Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit) klar aussprechen. Auch wenn sich der Arzt für eine bestimmte Medikation entschieden hat, lohnt sich die Nachfrage (des mündigen Patienten), ob nicht auch z. B. der Einsatz eines anderen NSAR oder die Verordnung von Cortison möglich wäre. Ein guter Arzt wird zwar nicht auf jede Ihrer Vorstellungen eingehen können, zumindest wird er aber versuchen, diese zu berücksichtigen.

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Medikation des Gichtanfalls

Trotz der oben geschilderten Situation: Wie kann die Medikation beim akuten Gichtanfall aussehen? Gute, zeitgemäße und einer schnellen Schmerzlinderung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit Rechnung tragende Medikation kann so aussehen:

Variante Colchicin NSAR Cortison Magenschutz Bemerkung
1 einmalig:

Innerhalb von 12 Stunden nach Anfallsbeginn 1 mg Colchicin

danach einmalig:

eine Stunde später 0,5 mg Colchicin.

pro Tag:

Indometacin (Retardtabletten 2 x 75 bis 100 mg)

oder

Diclofenac (Retardtabletten 2 x 75 bis 100 mg)

oder 

Naproxen (einmalig 750 mg, danach alle acht Stunden 250 mg)

 – bei Bedarf pro Tag:

Omeprazol 20 mg

oder

Pantoprazol 20 mg

 

2  – pro Tag:

Indometacin (Retardtabletten 2 x 75 bis 100 mg)

oder

Diclofenac (Retardtabletten 2 x 75 bis 100 mg)

oder 

Naproxen (einmalig 750 mg, danach alle acht Stunden 250 mg)

optional einmalig:

30 bis 40 mg Prednisolon

bei Bedarf pro Tag:

Omeprazol 20 mg

oder

Pantoprazol 20 mg

3 einmalig:

Innerhalb von 12 Stunden nach Anfallsbeginn 1 mg Colchicin

danach einmalig:

eine Stunde später 0,5 mg Colchicin

 – pro Tag:

30 bis 40 mg Prednisolon

 – Diese Behandlung kann auch bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei Magengeschwüren oder nach einem Herzinfarkt zu bevorzugen sein.

Weniger zur Behandlung des Gichtanfalls geeignet

  • Colchicin in der klassischen (hohen) Dosierung
    Colchicin führt in der hohen Dosierung zu erheblichen Nebenwirkungen. Heute geht man davon aus, dass die oben beschriebene niedrige Dosierung ausreichend wirksam ist.
  • Opioide
    Gelegentlich werden bei sehr starken Schmerzen Opioide, also Wirkstoffe mit den Eigenschaften des Morphiums (z. B. Tramadol), eingesetzt. Opioide lindern den Schmerz, wirken aber nicht entzündungshemmend. Ihr Einsatz beim akuten Gichtanfall sollte nur nach strenger Prüfung von Nutzen und Risiko erfolgen. Normalerweise sollten die anderen Behandlungsalternativen ausreichen.
  • Canakinumab / Ilaris
    Canakinumab (Handelsname Ilaris) ist ein Antikörper, der einen Entzündungsprozesse steuernden Botenstoff blockiert. Es wirkt gut beim akuten Gichtanfall, darf aber wegen der Gefahr von Nebenwirkungen bzw. Infektionen nur eingesetzt werden, wenn NSAR, Cortison und Colchicin nicht eingesetzt werden können.

Ergänzende Maßnahmen beim Gichtanfall

Ein Gichtanfall muss unbedingt dem Arzt vorgestellt und mit Medikamenten behandelt werden. Neben der medikamentösen Therapie kann man aber noch einiges tun, um die Schmerzen zu lindern und die Heilung zu beschleunigen:

  • Kühlen mehrfach täglich für ca. 20 Minuten.
    • Z. B. in einer Wanne mit Wasser und Eis
    • Oder mit einem Eisbeutel, einer Packung Gefriererbsen oder Eiswürfeln in einem Handtuch.
    • Aber nicht übertreiben, um die Haut nicht zu schädigen.
  • Fuß (bzw. das betroffene Gelenk) hochlagern.
  • Krücken können hilfreich sein.
  • Belastungen vermeiden
  • Viel trinken (am besten Mineralwasser), um den Abbau der Harnsäure zu unterstützen.
  • Kein Alkohol, auch kein alkoholfreies Bier.

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