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Cortison und Prednisolon

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Cortison und Prednisolon 2017-04-09T11:16:51+00:00

Cortison (=Kortison) ist ein von der Nebennierenrinde (eine Hormondrüse) produziertes menschliches Hormon. Es hat im Körper eine ganze Reihe von Aufgaben: Es regelt unter anderem den Fettstoffwechsel, den Salz- und Wasserhaushalt und mobilisiert als Stresshormon Energiereserven. Und es ist der stärkste bekannte Entzündungshemmer! Es hemmt sehr wirksam die entzündliche Reaktion im Gelenk und bremst das Immunsystem ein.

Cortison bei Gicht: Wundermittel mit Nebenwirkungen

Streng genommen ist der übliche Sprachgebrauch von Cortison übrigens falsch: Die Nebennierenrinde produziert Cortisol, nicht Cortison. Cortison ist eine inaktivierte Form von Cortisol, die selber praktisch keine medikamentöse Wirkung entfaltet, bis sie im Körper in Cortisol umgewandelt wird. Ein anderer Name für Cortisol ist Hydrocortison. Für den Rest des Artikels bleiben wir aber beim üblichen Sprachgebrauch.

Keine (falsche) Angst vor Cortison

Seit den 50er Jahren wird Cortison zur Bekämpfung von Entzündungen eingesetzt. Mit großem Erfolg. Aber auch mit erheblichen Nebenwirkungen. Vollmondgesicht, Wassereinlagerung, Osteoporose (Knochenschwund) und Hautprobleme gehörten dazu. Heute sind den meisten Patienten diese Nebenwirkungen bekannt und sie haben einen großen Respekt vor diesem Medikament (“das nehm´ ich nicht!”). Allerdings muss man berücksichtigen, dass diese Erfahrungen größtenteils auf Behandlungen in den siebziger Jahren beruhen, bei denen Cortison noch viel großzügiger verabreicht wurde.

Info:

Heute wird Cortison in Dosierungen eingesetzt, die relativ gut verträglich sind. Und Nebenwirkungen treten insbesondere bei kurzzeitiger Behandlung, wie es ja beim akuten Gichtanfall der Fall ist, nur selten auf.

Bei der Verwendung von Cortison ist auf die Einhaltung der in der Packungsbeilage angegebenen Uhrzeiten zu achten. Der Körper produziert Cortison vorwiegend in der zweiten Nachthälfte. Es wird auf Vorrat produziert und sein Wert reduziert sind vom Maximum um etwa acht Uhr morgens auf nur noch zehn Prozent am Abend. Erfolgt nur eine Einnahme täglich, sollte diese morgens vor 8 Uhr erfolgen, damit sich die Einnahme einigermaßen in den Tagesrhythmus eingliedert.

Prednisolon

Weiterhin ist Cortison nicht gleich Cortison. Es gibt eine Vielzahl an Cortison-Wirkstoffen, die sich in Stärke und Dauer der Wirkung (bzw. Nebenwirkung) unterscheiden. Bei Gicht ist Prednisolon das Mittel der Wahl. Es wirkt schnell und relativ kurz. Damit halten sich auch die unerwünschten Wirkungen in Grenzen.

Verwendung von Prednisolon beim akuten Gichtanfall

  • Prednisolon kann als Einmaldosis von 20 bis 40 mg zusätzlich zu einem NSAR verschrieben werden. Zum Vergleich: Der Körper produziert täglich eine 7,5 bis 10 mg Prednisolon entsprechende Menge Cortison.
  • Oder es wird für einige Tage zusammen mit einem NSAR verabreicht. Z. B. am ersten Tag 40 mg Prednisolon, am zweiten Tag 30, am dritten 20 und am 4 Tag 10 mg. Und dazu ein nicht ganz so stark wirkendes (und besser verträgliches) NSAR wie Naproxen.
  • Eine längerfristige Verwendung von Prednisolon und NSAR sollte wegen des hohen Nebenwirkungsrisikos vermieden werden.
  • Neuerdings (seit 2008) wird auch eine mehrtägige Behandlung ausschließlich mit ca. 40 mg Prednisolon pro Tag (bei hohem Übergewicht evtl. auch mehr) für drei bis fünf Tage anstelle von NSAR als wirksam und verträglich angesehen!
  • Insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Behandlung mit Cortison der Behandlung mit NSAR vorzuziehen.
  • Alternativ zur Einnahme in Tablettenform kann das Cortison auch in das entzündete Gelenk gespritzt werden.

Cortison zur Vorbeugung von Gichtanfällen

Cortison kann auch zur Vorbeugung von Gichtanfällen bei Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung eingesetzt werden. Hier kommen niedrigere Dosen von fünf bis zehn mg Prednisolon pro Tag für einen Zeitraum von vier bis zwölf Wochen zum Einsatz.

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