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Ursachen und Auslöser für Gicht

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Ursachen und Auslöser für Gicht 2017-03-26T18:16:00+00:00

Gicht (beziehungsweise strenggenommen die primäre Gicht) ist eine erbliche Stoffwechselkrankheit. Dies bedeutet allerdings noch lange nicht, dass bei jedem, der die Veranlagung geerbt hat, auch Gicht auftreten muss. Insbesondere ist es von den individuellen Lebensumständen abhängig, ob sich tatsächlich Gicht einstellt und wie stark das Leiden ist.

Die meisten Tiere haben kein Problem mit zu hohen Harnsäurewerten. Bei ihnen wird die Harnsäure weiter zu Allantoin abgebaut und dann problemlos ausgeschieden. Bei Menschen (sowie Menschenaffen, Vögeln und einigen Reptilien) ging die Funktionsfähigkeit des für den Harnsäureabbau zuständigen Gens allerdings verloren, so dass wir heute mit der schwerer auszuscheidenden Harnsäure konfrontiert sind. Möglicherweise gab es für diese Weichenstellung im Evolutionsprozess einen guten Grund: Es wird angenommen, dass die Harnsäure im Blut auch ihr Gutes hat. Sie soll (ähnlich wie z. B. Vitamin C) als Antioxidans wirken und uns so vor freien Radikalen schützen.

Bei den meisten Menschen funktioniert die “Entsorgung” der Harnsäure über die Nieren problemlos. Es müssen also weitere Kriterien hinzukommen, bis der Harnsäurewert in den kritischen Bereich steigt (sogenannte Hyperurikämie, also ein erhöhter Harnsäurewert ohne Beschwerden) oder bis es zu Gichtanfällen kommt. Dies ist in der Regel eine meist erbliche Schwäche der Nieren die Harnsäure auszuscheiden. Heute werden bestimmte Varianten von drei Genen (bezeichnet als SLC2A9, SLC22A12 und ABCG2) für die reduzierte Fähigkeit zur Ausscheidung von Harnsäure verantwortlich gemacht.

Weiterhin erhöhen die folgenden Umstände das Risiko einer Gicht-Erkrankung:

Daneben gibt es auch noch Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen:

  • fortschreitendes Alter
  • Geschlecht
  • eingeschränkte Nierenfunktion

Negative Einflüsse der Ernährung

Purinreiche Ernährung

Purine stecken in fast allen Lebensmitteln. Die mit der Nahrung aufgenommenen Purine müssen zusätzlich zu den im Körper entstandenen Purinen zu Harnsäure abgebaut und “entsorgt” werden. Leider ist es nicht ganz einfach, den Überblick über den Puringehalt verschiedener Lebensmittel zu behalten und diese dann entsprechend zu meiden. (Eine umfangreiche Übersicht finden Sie aber in unserer Purintabelle.) Zu den besonders purinreichen Lebensmitteln zählen

Ein Verzicht auf purinreiche Lebensmittel kann den Harnsäurespiegel senken. Allerdings ist der Wert einer entsprechenden Diät nicht überzubewerten. Oft bringen nur harnsäuresenkende Medikamente den gewünschten Erfolg, so dass das nur schwer einzuhaltende Leben nach der Purintabelle in den Hintergrund treten kann. Zumindest Innereien sollten allerdings konsequent gemieden werden.

Alkoholkonsum

Dass Alkoholkonsum der Gesundheit sowieso nicht besonders zuträglich ist, ist bekannt. Zu seinen unerwünschten Wirkungen gesellen sich bei Gicht noch zwei weitere Effekte hinzu:

  • Alkohol hemmt die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.
  • Alkohol führt zu verstärkter Bildung von Milchsäure. Das Blut wird saurer und die Harnsäure löst sich schlechter. Das führt zu verstärkter Bildung von Harnsäurekristallen.

Dazu kommt, dass viele alkoholische Getränke auch selber Purin enthalten. Hier ist in natürlich auch Bier zu nennen. Und auch alkoholfreies Bier enthält die gleiche Menge Purine wie normales Bier.

Wein enthält zwar nur wenig Purin, allerdings ist der Alkoholgehalt doppelt so hoch wie bei Bier.

Kaffee und Tee sind bei Gicht übrigens erlaubt (auch wenn früher davon abgeraten wurde). Sie enthalten zwar auch Purine, diese werden jedoch nicht zu Harnsäure abgebaut.

Übergewicht

Mit dem steigenden Gewicht steigt auch der Harnsäurespiegel. Daher ist eine (langsame) Gewichtsreduktion der wichtigste Hebel, um die Gicht unter Kontrolle zu bekommen. Mit ausreichender Gewichtsreduktion lässt sich oft ein normaler Harnsäurewert (und damit Beschwerdefreiheit ohne Medikamente) erreichen.

Fastenkuren haben übrigens den gegenteiligen Effekt. Körpersubstanz (insbesondere Muskulatur) wird abgebaut und es entsteht zusätzliches Purin. Also lieber langsam aber stetig abnehmen.

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